Bügeleisen

 
Teil 1

 

Eine Studie der Firma Vorwerk brachte es unlängst an den Tag: Bügeln gehört mit Abstand zu den unbeliebtesten Hausarbeiten. Knapp die Hälfte aller befragten Frauen nimmt sogar lieber Spülbürste oder Putzlappen in die Hand, ehe sie freiwillig das „heiße Eisen“ anfasst. Dabei ist das Glätten verknitterter Wäsche in den letzten hundert Jahren vergleichsweise einfach geworden: Bevor die Elektrizität flächendeckend in die Haushalte einzog, war Bügeln ein weitaus schwierigeres Unterfangen, das enorme Körperkraft und viele Vorbereitungen erforderte.

So unliebsam die Arbeit mit dem Bügeleisen zweifellos ist, so beliebt ist es hingegen als Sammelobjekt. Historische Bügelgeräte sind ein Gebiet, auf dem es auch nach jahrelanger Beschäftigung immer Neues und Interessantes zu entdecken gibt. Sie beeindrucken nicht nur durch die Reichhaltigkeit ihres Dekors, sondern insbesondere auch durch die Vielfalt der technischen Variationen.

 

Eine kleine Auswahl historischer Bügeleisen soll in diesem Beitrag vorgestellt werden.

 Die direkten Vorläufer der heutigen Bügeleisens wurden – wie schon das Schießpulver und das Papier – im alten China erfunden. Bildliche Darstellungen aus der Han-Dynastie (ca. 200 Jahre vor unserer Zeitrechnung) belegen, dass die Menschen dort schon in frühester Zeit ihre seidenen Gewänder mit Hilfe von Wärme glätteten. Als Instrumente dienten spezielle Bügelpfannen, die mit glühender Kohle und einer Sandschicht gefüllt waren. Mit der glatten Unterseite fuhr man über die Unterseite des straff gespannten Stoffes und brachte ihn so in die gewünschte Form.

Im europäischen Raum nutzte man zum Bearbeiten verknitterter Wäsche bis ins 15. Jahrhundert ausschließlich Instrumente, die mit mechanischem Druck arbeiteten. Zu den ältesten dieser Bügelinstrumente gehören die sogenannten „Glätt-“ oder „Gniddelsteine“. Sie wurden mit starkem Andruck so lange über das angefeuchtete oder gestärkte Wäschestück gestrichen, bis dieses glatt und glänzend wurde. Glättsteine sind in mehreren Formen und Materialien bekannt; meist bestehen sie aus farblosem, grünem oder schwarzem Glas. Die ältesten Fundstücke stammen aus den 5.-8. Jh. n. Chr.; als Bügelinstrumente blieben die Gniddelsteine jedoch in machen Regionen bis zum 20. Jh. in Gebrauch.

Eine andere, seit dem Mittelalter praktizierte Methode, gerade geschnittene Wäschestücke aus Leinen oder Baumwolle nach dem Waschen in die richtige Form zu bringen, war das Mangeln mit dem Mangelbrett. Ein solches Brett (die älteren Leser und Leserinnen werden es vielleicht noch kennen) bestand aus einem flachen Holzbrett mit Griff und einer hölzernen Rolle. Die angefeuchtete Wäsche wurde stramm über die Rolle gewickelt, dann walzte man mit dem Mangelbrett auf der umwickelten Rolle hin und her – eine mühsame und zeitraubende Angelegenheit.

Im Laufe des ausgehenden Mittelalters änderten sich allmählich die Bekleidungsgewohnheiten. Waren über einen langen Zeitraum in allen Gesellschaftsschichten hauptsächlich glatte, einfach geschnittene Gewänder in Gebrauch, so bildeten sich gegen Mitte des 14. Jahrhunderts immer reichhaltigere, kompliziertere Kleidungsstücke heraus. Zu voller Blüte gelangte die Mode schließlich in der Renaissance, also etwa zwischen 1400 und 1530. Damen und Herren der vornehmen Gesellschaft schmückten sich nun mit Kleidern, die gepufft, geschnürt, geschlitzt und mit andersfarbigen Stoffen hinterlegt waren; Krägen und Säume wurden bestickt, gefältelt und mit Krausen versehen. Heute fallen uns auf Gemälden der damaligen Zeit vor allem die voluminösen Halskrausen auf. Kein Zweifel: Um Stoffen derartige Formen zu verleihen, waren entsprechende Bügelinstrumente notwendig.

Die älteste und wohl bekannteste Bügeleisenform ist das massive, aus Eisen oder Stahl geschmiedete Volleisen. Volleisen sind seit dem frühen16. Jahrhundert bekannt. In einem Lexikon aus dem Jahre 1798 wir ein solches Eisen folgendermaßen beschrieben: „Es bestehet aus einem gantzen Stuecke Eisen, dessen unterste Fläche glatt, an einem Ende breit, an den anderen aber in die Mitte hinwaerts spitzig zulaufend gemachtet, oberhalb hergegen mit einem eisernen Buegel versehen, so statt eines Griffes dienen, und bey dem Gebrauch mit dicken, vielfaeltig uebereinandergelegten Lappen angegriffen werden muss, daß man sich nicht verbrenne.“

Bei den Volleisen lassen sich zwei Grundtypen unterscheiden: die leichteren Flach- oder Anlegeeisen und die schwereren Block- oder Presseisen. Beide Varianten treten in sämtlichen denkbaren Größen und Formen auf; eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie müssen zum Gebrauch auf einer Wärmequelle aufgeheizt werden. Im Privathaushalt war diese Heizquelle zumeist der Kohleherd, der in der Küche stand und zur Warmwasserbereitung auch im Sommer ständig befeuert wurde. Ursprünglich handgeschmiedet, wurden die Flach- oder Blockeisen ab Ende des 18. Jahrhunderts industriell und in Serie hergestellt; in abgelegenen Gegenden jedoch wurden Bügeleisen noch lange Zeit danach als Einzelstücke in der Dorfschmiede angefertigt.

Neben den „klassisch“ geformten Eisen gab es eine Fülle von Spezialformen. Ein Beispiel sind die so genannten Tolleisen, die ähnlich wie Lockenscheren aussahen und für das Kräuseln der imposanten Halskrausen benutzt wurden.

Durch das beträchtliche Gewicht der Eisen waren beim Bügeln starke Arme und viel Ausdauer nötig. Während die kleineren Flacheisen noch vergleichsweise leicht waren, brachten große Blockeisen, wie sie in Schneiderwerkstätten zum Ausbügeln schwerer Wollstoffe in Gebrauch waren, nicht selten 18 bis 24 Pfund auf die Waage. Ein weiterer Nachteil der massiven Eisen war – in der Beschreibung des Lexikons wurde es bereits erwähnt – dass man sich leicht die Finger an ihnen verbrennen konnte. Bei den massiven Blockeisen waren deshalb die Griffe mit isolierenden Materialien wie Holz oder Leder überzogen. Flacheisen hatten hingegen meist Metallgriffe, die fest mit dem Eisen verbunden waren. Hier musste die Büglerin – Bügeln war (außer in den Schneiderwerkstätten) überwiegend Frauenarbeit – durch das Tragen dicker Handschuhe Abhilfe schaffen. Viele Gießereien lieferten außerdem zu ihren Eisen passende Klappgriffe aus Holz, die den Griff umschlossen und auf diese Weise sicheren Schutz boten.

Zum Teil wurden die Blockeisen mit dekorativen, oft in Form von Tierkörpern gestalteten Griffstützen versehen. Diese Stützen sahen nicht nur schön aus, sondern boten auch den Händen während der Arbeit einen angenehmeren Halt. Obwohl die Gestaltung der Flacheisen meist eher schlicht war, finden sich auf ihnen auch vereinzelte Schmuckelemente. Besonders in Frankreich wurden Motive wie Herzen, Früchte, Blumen oder Wappen bevorzugt.

Im Jahre 1871 überlegte sich eine gewisse Mrs. Potts aus Amerika, wie sich die Verbrennungsgefahr beim Bügeln vermeiden ließe, und kam dabei auf eine geniale Idee. Sie isolierte die Decke des Bügeleisens mit Asbest und entwarf einen ausklinkbaren Griff, der mit wenigen Handgriffen am Eisen befestigt werden konnte. Diese Methode erwies sich nicht nur als besonders fingerschonend, sondern auch in anderer Hinsicht als sehr effektiv: Hatte man nämlich zuvor die Bügelarbeit immer wieder unterbrechen müssen, wenn das Eisen seine Wärme verlor, konnte man jetzt „mehrere Eisen im Feuer haben“ und mit dem Patentgriff ständig auswechseln. Dank ihrer Vorteile war Mrs. Potts genialer Erfindung in Amerika und in Europa großer Erfolg beschieden. Flacheisen mit ausklinkbaren Griffen wurden in großen Mengen und in den unterschiedlichsten Variationen hergestellt. Meist waren sie als Satz, bestehend aus einem Griff und zwei bis vier Eisen – oft in unterschiedlichen Größen und Formen – erhältlich. Besonders interessant für Sammler sind die unterschiedlichen Mechanismen, mit denen der Griff am Eisen befestigt wurde. Unzählige Tüftler befassten sich nämlich mit der Entwicklung immer neuer Verschlussmechanismen und meldeten ihre Erfindungen zum Patent an. So zum Beispiel ein Bastler namens Robert Bartl aus Pauschowitz, dessen „Plätteisen mit lösbarer Bodenplatte“ 1892 in der Patentschrift des Kaiserlichen Reichs folgendermaßen beschrieben wurde: „Der Plätteisengriff ist durch Stege an einer Schiene befestigt, welche unten breitere oder schräg gestellte bzw. keilförmige Zapfen trägt, während sich in dem Eisen entsprechend geformte Löcher befinden. (...) Der Griff kann nicht eher wieder entfernt werden, bis der Riegel r hochgezogen wird, was leicht durch den Zeigefinger geschehen kann.“ Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis ungefähr 1930 wurden zahlreiche Patenterteilungen für die Serienherstellung von Blockeisen mit auswechselbarem Griff erteilt; im wesentlichen unterscheidet man zwischen Ösen-, Exzenter-, Schrauben- und Schwalbenschwanzverschlüssen.

Als Wärmequelle für alle Arten von Flach- und Blockeisen diente, wie schon erwähnt, der häusliche Gas- oder Kohleherd. Im Sommer war es mitunter sehr lästig, den ganzen Ofen anheizen müssen. Abhilfe schaffte hier die sogenannte „Kochhexe“. Dazu nahm man aus einer Kochplatte des Herdes die Herdringe heraus und setzte stattdessen eine Art Minifeuerstelle ein. Dadurch konnte das Bügeleisen auf einer wesentlich kleineren Fläche in Betrieb genommen werden.

In professionellen Bereichen, zum Beispiel in Schneiderwerkstätten oder Wäschereien, wurde dagegen selten auf kleiner Flamme gebügelt. Dort waren seit dem 19. Jahrhundert spezielle Bügelöfen in Gebrauch, auf denen ein ganzes Eisenrepertoire in allen Größen und Formen zum ständigen Gebrauch zur Verfügung stand. Emile Zola warf Mitte des 19. Jahrhunderts einen Blick in die Bügelstube eines Wäschegeschäftes; in einem seiner Romane schrieb er: „Gervaise ließ ihr neues Arbeitsgerät nicht aus den Augen. Ihr erster Blick aber galt ihrer Maschine, einem gusseisernen Ofen, auf dem zehn Bügelgeräte zugleich heiß gemacht werden konnten, die auf schräg stehenden Platten rings um die Feuerstelle angeordnet waren. Sie kniete sich hin und sah nach, in der ständigen Angst, dass ihr kleiner Dümmling, das Lehrmädchen, das Gusseisen dadurch zum Bersten bringe, dass sie zu viel Kohle hineinstopfte.“

Bügelöfen aus Eisen wurden bis in die 1920er Jahre hergestellt und verkauft, wobei manche Exemplare mit bis zu 56 Eisen bestückt werden konnten. Vor allem während der Sommermonate machten diese Öfen das Klima in der Bügelstube zur wahren Höllenqual. Außerdem verlangte das Hantieren mit den schweren Eisen nicht nur Muskelkraft, sondern auch Konzentration und Geschicklichkeit. Die Büglerin musste nämlich ständig acht geben, dass die Sohle des Eisens, die mit dem angefeuchteten Wäschestück in Berührung kam, peinlich sauber war. Dazu war es nötig, sofort mit einem Tuch oder mit der Schürze über das zu Eisen wischen, wenn es vom Ofen genommen wurde. Vergaß sie dies, konnte es passieren, dass die frisch gewaschene Wäsche mit Ruß oder Ascheresten verschmutzt und ein zweites Mal gewaschen werden musste. Wenn man es vom Feuer holte, war das Eisen in der Regel viel zu heiß, um direkt mit dem Bügeln beginnen zu können. Zum Kontrolle hielt es die Büglerin in die Nähe ihrer Wange oder tippte mit einem angefeuchteten Finger an die Bügeleisensohle. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kam es jedoch immer wieder zu den gefürchteten Sengflecken.

Auch unbenutzte Bügeleisen verlangten nach einer sorgfältigen Behandlung. In einem Ratgeber von 1882 mit dem Titel „Das häusliche Glück“ finden sich folgende Pflegehinweise: „Das Bügeleisen reibt man jedesmal nach dem Gebrauch mit einem trockenen Lappen ab und steckt dasselbe in eine Umhüllung aus Flanell, bindet diese zu und bewahrt das Eisen an einem trockenen Ort auf. Ist ein Bügeleisen rostig geworden, dann muss man, um es wieder brauchbar zu machen, mit einem in Terpentin getauchten Lappen und etwas Sand abscheuern. Nachdem der Rost verschwunden ist, scheuert man das Eisen mit heißem Sand oder Steinkohlenasche und bestreicht zuletzt die untere Fläche mit einem Stückchen Wachs.“

Wie bereits erwähnt wurde, hielt die Temperatur der Flach- oder Bolzeneisen nur eine bestimmte Zeit vor, danach mussten sie ausgewechselt und auf dem Ofen neu erhitzt werden. Eine effektivere Lösung des Wärmeproblems versprachen die sogenannten Bolzeneisen, die ebenfalls seit dem 15. Jahrhundert in Gebrauch waren. Diese Geräte besaßen in ihrem Fuß einen Hohlraum, in dem ein im Ofen erhitzter Bolzen zu liegen kam. Dazu wurde der Bolzen auf der Rückseite des Eisens eingeführt und mit einer Klappe oder einem Fallschieber gesichert. Von den Bolzen benötigte man zwei oder mehr Exemplare, die in fliegendem Wechsel auf dem Feuer erhitzt wurden. Durch ihre Isolierung hielten Bolzeneisen die Hitze wesentlich länger als Flach- oder Blockeisen. In einer Patentschrift von 1878 wird erklärt: „Mit einem solchen neuen Bügeleisen kann man ununterbrochen mit dem einmal bis zur Weißglut erhitzten Bolzen ca. 3-3 1/2 Stunden gebügelt werden.“ Ein weiterer Vorteil dieser Methode bestand zweifellos darin, dass das Eisen selbst sauber blieb, da es nicht mehr direkt mit dem Ofen in Berührung kam.

Grundsätzlich unterscheidet man bei den Bolzeneisen zwei Formen: Ältere Eisen sind meist handgeschmiedet und wurden aus mehreren Teilen zusammengenietet oder hartgelötet. Neuere Eisen bestehen hingegen aus einem Guss (Gusseisen oder Messing).

Unter den Bolzeneisen aus dem 17. Bis 19. Jahrhundert finden sich viele Stücke, die regelrechte Kunstwerke sind. Die Griffe bestehen aus Holz, sind gedrechselt, aus Elfenbein geschnitzt oder aus geblasenem Glas geformt und ruhen auf Streben, die nicht weniger aufwändig gestaltet sind. Natürlich hatten nur sehr wohlhabende Damen solche exklusiven Bügeleisen in dieser Aussteuer – auch wenn sie damit nicht selbst bügelten, sondern dies lieber ihren weiblichen Bediensteten überließen.

Auch bei den Verschlüssen an der Rückseite der Gehäuse, die das Herausfallen des Bolzens verhindern sollten, gab es verschiedene Varianten zur Auswahl. Eisen des 18. Jahrhunderts sind hauptsächlich mit Scharnierverschlüssen versehen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen Schiebetüren auf, deren Griffe von kugelförmigen Köpfen gebildet wurden, die es ermöglichten, beim Bolzenwechsel den Schieber mit einer einzigen Hand zu betätigen. Dadurch blieb die zweite Hand frei, um den Bolzen mit einer Spezialzange aus dem Ofen zu nehmen und in das Eisen einzuschieben. In Frankreich wurde dieser Schiebemechanismus sinnigerweise als „Guillotine“ bezeichnet, weil der Schieber wie ein Fallbeil herabsauste, wenn man den Kopf nach Einlegen des Bolzens losließ.

Um verschiedenste Stoffqualitäten und Kleidungsstücke bearbeiten zu können, bildeten sich besonders bei den Bolzeneisen die vielfältigsten Formen heraus, die sich vor allem in der Form und Breite der Sohle voneinander unterscheiden. Sehr großer Beliebtheit erfreuten sich vor allem die so genannten Ochsenzungen, von denen ebenfalls eine umfangreiche Modellpalette existiert. Die Hersteller der Eisen lieferten auch die passenden Bolzen, die übrigens regional ganz unterschiedlich benannt wurden. In machen Gegenden bezeichnete man sie als „Stähle“, in Österreich und im Sudetenland hießen sie „Stagel“ und im Salzkammergut „Stachel“, während sie bei den Franzosen unter der Bezeichnung „lingnot“ und bei den Engländern als „heater“ bekannt waren. Trotz der unterschiedlichen Namen war das Material der Bolzen weitgehend das gleiche: Sie bestanden aus Stahl oder Schmiedeeisen und waren generell nicht sehr lange haltbar. Bei häufigem Bügeln stellte deshalb der Bolzenverschleiß eine nicht unerhebliche Belastung für die Haushaltskasse dar. Wahrscheinlich waren die Kosten sogar der entscheidende Grund, dass Bolzeneisen in den 1920er Jahren schließlich völlig vom Markt verschwanden.

Alle bisher beschriebenen Bügeleisen-Modelle erforderten, dass stets ein Herd oder Ofen zu ihrer Erwärmung bereitstand. Es gab aber auch Eisen, die mit eigener Befeuerung, nämlich mit Holzkohle oder Glut aus dem Herd betrieben werden konnten. Im Grunde genommen waren diese Kohlebügeleisen nichts anderes als die Weiterentwicklung der chinesischen Bügelpfannen. Sie hatten geschlossene Hohlkörper mit aufklappbaren Deckeln in die glühende Kohlen eingefüllt werden konnten. Für die erforderliche Luftzufuhr sorgten seitlich angebrachte Öffnungen. Begann das Eisen zu qualmen, konnte man die Glut durch heftiges Hin- und Herschwenken wieder entfachen. Die Asche fiel durch einen am Boden liegenden Rost und konnte durch eine Klappe an der rückwärtigen Seite des Eisens entfernt werden. Diese „Schwenkbügeleisen“ waren im europäischen Raum bis in die 1930er Jahre in Gebrauch – in Entwicklungsländer werden sie zum Teil sogar noch heute benutzt. Kohlebügeleisen hielten die Hitze gleichmäßiger als Flach oder Bolzeneisen und ließen durch die jeweilige Menge der eingefüllten Kohlen auch eine gewisse Temperaturregulierung zu. Auch konnte die Bügelarbeit nun bei geeigneter Witterung statt in der überhitzten Stube im Freien durchgeführt werden.

Allerdings hatten die Kohleeisen zahlreiche Nachteile, die so manche Büglerin zur Verzweiflung brachten. Wie bei den Flach- und Bolzeneisen drohte stets die Gefahr, die frisch gewaschene Wäsche mit fliegender Asche zu ruinieren. Außerdem qualmten die Kohlebügeleisen heftig und verpesteten mit ihren Abgasen das ganze Haus. Mit besonderen Rauchabzügen, zum Teil bizarr geformten Schornsteinen, versuchte man, die gesundheitsschädigenden Kohlenoxyde nach vorn, hinten oder zur Seite abzuleiten. Das Abgasproblem bei den Kohleeisen war so schwerwiegend, dass es bei der Werbung für die ab 1894 angebotenen Elektroeisen immer wieder aufgegriffen wurde. Die Hersteller der Elektrogeräte betonten ausdrücklich, dass bei ihren Bügeleisen der Kopfschmerz verursachende Kohlendunst vollkommen ausgeschlossen sei.

Eine direkte Weiterentwicklung des Kohleeisens war das Glühstoffeisen. Es besaß in seinem Inneren aufgegossene Rippen und wurde mit speziell hergestellter Bügelkohle betrieben, die besser, gleichmäßiger und geruchsärmer verbrannte. In einer Werbeanzeige, die 1895 in den „Fliegenden Blättern“ erschien, wurde das Glühstoffeisen sogar als regelrechtes „Gesundheitsplätteisen“ bezeichnet. „Keine Hitzebelästigung, Kein Geruch, keine Flugasche!“, verkündete ein tanzender Wäscherinnenchor. Das Priebs’sche Gesundheitsplätteisen sei „eine Wohlthat für die Frauen und eine Zierde des Haushaltes“. Und in der Tat gewannen die Glühstoffeisen wegen ihrer Vorteile die Gunst zahlreicher Hausfrauen. Die bekanntesten Exemplare wurden seit 1894 von der deutschen Glühstoff-Gesellschaft Dresden hergestellt. Drei Jahre später erschien die verbesserte Form, das DALLI Eisen auf dem Markt, das von anderen Firmen unter den Namen FLOTT, PERFEKT und FIX hergestellt wurde.

Etwa im Jahre 1850 gab es die ersten Versuche, Bügeleisen mit Spiritus zu beheizen. Wenig später gelangte ein solches Eisen aus den USA nach Deutschland und wurde von der Annahütte in Tannhausen – einer Fabrik in Preußisch-Schlesien – nachgebaut. Dieses erste Spirituseisen besaß eine hohen Bügelkörper aus Gusseisen in der Form der bewährten Kohleeisen und eine Wendevorrichtung, mit deren Hilfe man auf einer oberen und unteren Sohlenfläche abwechselnd bügeln konnte. Später erhielten die Spirituseisen eine wesentlich schmalere Form und wurden der glatteren und rutschfesteren Oberfläche wegen verchromt oder vernickelt. Zur Ausstattung eines Spirituseisens gehörte ein abnehmbarer Heizkörper und ein Behälter für den Spiritus, wobei eine Tankfüllung ungefähr für eine Stunde Bügeln reichte. Als Verbindung zwischen Tank und Brenner diente ein Docht aus Baumwollfäden; der Spiritus wurde in dem Heizkörper vergast und verbrannte anschließend aus 6-12 winzigen Brennlöchern im Inneren des Bügelkörpers.

Auch diese Erfindung hatte jedoch ihre Tücken; bei längerem Gebrauch des Eisens kam es häufig vor, dass die Löcher des Brenners verstopften und mühsam mit einer Nadel gereinigt werden mussten. Obwohl die Hersteller der Spirituseisen ausdauernd für die Vorzüge ihrer Produkte – Sauberkeit, bequeme Handhabung, geringe Betriebskosten – warben, konnten sich diese Geräte auf dem Markt nicht wirklich durchsetzen; insgesamt waren Spirituseisen nur während eines vergleichsweise kurzen Zeitabschnitts, nämlich zwischen etwa 1857 und 1940 in Gebrauch. Eine gewisse Karriere war diesen Eisen allerdings als Reisebügeleisen beschieden, da sie sich leicht im Gepäck unterbringen ließen und der Spiritus überall problemlos zu beschaffen war.

Bevor das Zeitalter der Elektrizität endgültig anbrechen sollte, wurde in den 1920er Jahren noch eine weitere Energiequelle für das Beheizen von Bügeleisen entdeckt. Damals verfügten die meisten größeren Städte über ein Leuchtgasnetz, nichts lag deshalb näher, als das Gas auch für den Betrieb von Bügeleisen zu nutzen.

Die erste Entwicklungsstufe bildeten Bügeleisen, deren Bügelkörper an der Rückseite mit einer großen Öffnung versehen waren und auf der direkten Flamme eines Gasbrenners erhitzt werden konnten. Dazu wurde das Eisen mit der Rückseite auf den Brenner gestellt, die Flamme drang in das Eiseninnern und erwärmte die Eisensohle. Um genügend Luft zuzuführen, waren große Luftlöcher vorhanden. Die passenden Brenner gab es in den verschiedensten Ausführungen, vom Mini-Ofen, auf dem nur ein Eisen erwärmt werden konnte, über Wippen für zwei Eisen, bis hin zu großen Gasbügelöfen, in denen bis zu 20 Exemplare gleichzeitig erhitzt werden konnten. Es wurde übrigens nicht das reine Gas, sondern ein Gemisch aus Gas und Luft verwendet, da so eine größere Hitze erzielt werden konnte. Generell war das System der offenen Flamme jedoch unrentabel, weil dabei zu viel Energie verschwendet wurde. Hinzu kam, dass der Geruch des Gases als sehr unangenehm empfunden wurde. Deshalb gingen die Hersteller bald dazu über, die Eisen mit internem Brenner zu versehen und direkt an die Gasleitung anzuschließen. Sie entwickelten dazu mehrere Systeme, die laufend verbessert wurden und die sich vor allem im professionellen Bereich, also in Wäschereien, Bügelanstalten und Konfektionsgeschäften durchsetzten. Der Vorteil der Eisen mit internem Brenner war zweifellos, dass die Hitze durch den Gas-Luftgemisch-Regler genau einzustellen war. Als nachteilig stellte sich hingegen der lästige Schlauch heraus, der beim Bügeln immer im Wege war. Gefährlich war das Handtieren mit dem Leuchtgas noch dazu: Ständig musste die Dichtheit des Schlauches geprüft werden, um rechtzeitig einer eventuellen Explosion oder Gasvergiftung vorzubeugen. Die Angst vor Unfällen dürfte ein entscheidender Grund gewesen sein, dass die elektrischen Bügeleisen den Gasbügeleisen – wie auch allen anderen Bügeleisenformen – bis zum heutigen Tage den Rang abliefen. Mit der Erfindung des elektrischen Bügeleisen am 24.08.1890 brach eine neue Ära des Bügelns an, über die in Kürze in einem zweiten Teil dieses Beitrags ausführlich berichtet werden soll.

 

 

Bügeleisen Teil 2

 

Im ersten Teil dieses Beitrags haben wir erfahren, welche Methoden und Geräte rund 400 Jahre lang in Gebrauch waren, um verknitterte Wäsche zu Glätten und Kleidungsstücke in die gewünschte Form zu bringen. Alle diese Apparaturen gerieten jedoch allmählich in Vergessenheit, als gegen Ende des 19. Jahrhunderts das elektrische Bügeleisen erfunden wurde.

Als älteste deutsche Quelle über ein elektrisch beheiztes Bügeleisen dürfte eine Patenschrift des Kaiserlichen Patentamtes zu Berlin Nr. 60805 vom 24. August 1890 gelten. In diesem Dokument wird eine Wärme- und Heizvorrichtung für ein Bügeleisen geschützt, die von einem gewissen Carl Zipernowsky aus Budapest erfunden wurde. Zwei Jahre später erhielt eine Österreicher namens Friedrich W. Schindler ein Patent, nach dessen System bereits auf der Weltausstellung des folgenden Jahres in Chicago Bügeleisen ausgestellt wurden. Laut Patentschrift handelte es sich um Geräte „mit um feine Asbestfäden spiralartig gewickelten Platindrähten, die in Schamottekörper eingebettet lagen“.

Ebenfalls im Jahre 1892 erwarb die amerikanische Firma Butterfield-Mitchel Electric Heating Co. In Boston das deutsche Patent für „ein elektrisch erhitztes Plätteisen, bei welchem die die Erwärmung bewirkende stromdurchflossene Drahtwicklung in durch Asbestzwischenlagen getrennten Windungen über die mit der Bodenplatte des Eisens aus einem Stück bestehenden wärmeleitenden Kerne geführt“ war. Fünf Jahre später brachte die AEG ein elektrisches Bügeleisen auf den Markt, das mit Kohlestäben funktionierte. Im Inneren des Gerätes waren dazu zwei von Hand regulierbare Lichtbogen hintereinander geschaltet; die Wärmeverluste sollten dem Eisen durch einen speziellen Untersatz neu zugeführt werden. Große Verbreitung scheint diese Konstruktion allerdings nicht gefunden zu haben.

Eine Münchner Firma stellte 1894 ein elektrisches Bügeleisen her, in dessen Innenleben ein Heizdraht mit Hilfe von Einbettung in Nuten befestigt war. Dazu waren im Unterteil des Eisens spiralförmige Nuten eingeschnitten, in die der mit Glasperlen überzogene Heizdraht eingelegt und mit einer keramischen Masse zugespachtelt wurde – ein System das zahlreiche Nachahmer fand. Als weitaus effektiver erwies sich jedoch eine Erfindung der Firma Prometheus in Frankfurt am Main, die 1989 zum Patent angemeldet wurde: Hierbei wurde ein Heizkörper aus Edelmetall auf einer Glimmerunterlage hergestellt, der mit Hilfe von Schrauben eng an die Bügeleisensohle gepresst wurde. Auf diese Weise ließ sich ein guter Wärmeübergang zur Heizsohle des Bügeleisens erzielen.

Im Zuge der allgemeinen Elektrifizierung schritt zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch die Weiterentwicklung der Bügeleisen zügig voran – ein Umstand, der sich nicht nur auf die Technik, sondern auch auf das Design der Geräte auswirkte. Waren die Elektroeisen zu Beginn ihrer Entwicklung noch ziemlich klobige und unhandliche Geräte gewesen, so gewannen vor allem die für den Privathaushalt konstruierten Eisen Mitte der 20er Jahre eine wesentlich zierlichere Form.

Anhand der Inserate in Fachzeitschriften des Schneiderhandwerks und anderen Illustrierten lässt sich erkennen, dass in der Presse bald ausschließlich für Elektroeisen geworben wurde. Wer fortan elektrisch Bügeln wollte, musste sich jedoch nicht unbedingt ein neues Gerät zulegen: In den 20er Jahren warb die Firma „Elektro-Zentrale Otto Fragel“ in Berlin Spandau damit, dass sie Bügeleisen jeglicher Art zu elektrischen Eisen umarbeitete.

Pünktlich zur Leipziger Frühjahrsmesse 1929 brachte die Firme Grossag aus Schwäbisch Hall ein „denkendes Bügeleisen“ heraus. Das zum Ladenpreis von 13 Reichsmark erhältliche Gerät war mit einer Bimetall-Platte versehen, durch die es sich selbsttätig ein- oder ausschaltete – je nachdem, ob es zu heiß oder zu kalt geworden war. Der Erfinder, ein gewisser John A. Spencer aus den USA, hatte für dieses Patent das erkleckliche Sümmchen von einer Million Dollar erhalten.

Auf der besagten Frühjahrsmesse in Leipzig wurde allerdings noch eine weitere Novität vorgestellt: Die Firma Karl Kaltschmid, Eisenwerke, Oberriexingen, wartete ebenfalls mit einem Bügeleisen auf, das mit Temperaturregler ausgestattet war, und das sie – vergleichsweise pragmatisch –als „selbstschaltendes elektrisches Spar- und Sicherheitsbügeleisen“ bezeichnete. In einer Werbeanzeige für dieses Eisen hieß es: „Ohne Willen der Hausfrau entstehen keine Stromkosten“.

Der Unterschied zum „denkenden“ Eisen der Firma Grossag bestand hauptsächlich darin, dass sich das Eisen der Firma Kaltschmid zwar ebenfalls bei zu großer Überhitzung ausschaltete, bei Abkühlung aber von Hand per Knopfdruck neu eingeschaltet werden musste.

Im Laufe der folgenden Jahre etablierten sich solche Temperaturregler bei den Bügeleisen rasch und wurden stetig verbessert. Dies war vor allem deshalb nötig geworden, weil inzwischen neue Stoffmaterialien den Markt erobert hatten. Die „goldenen 20er Jahre“ waren auf dem Bekleidungssektor nicht nur „farbige“, sondern auch „kunstseidene“ Jahre. Revolutionäre Entwicklungen auf dem Textilmarkt wie die aus Zellulosefasern hergestellte Kunstseide, die zu Oberbekleidung, Wäsche und Strümpfen verarbeitet wurde, verlangten auch nach einer modernisierten Pflege. Das lässt sich unter anderem an der Entwicklung der verschiedenen Waschmittel beobachten. Lange Zeit hatten Leibwäsche und Oberbekleidung hauptsächlich aus Leinen oder Baumwolle bestanden. Diese Kleidungsstücke wurden – ebenso wie Tisch-, Bettwäsche und Handtücher – mit Kernseife und Soda im Bottich gekocht und danach zum Glätten ‚durch die Mangel‘ gedreht. Mit dem Siegeszug der neuen Textilien war die Grobwäsche auf dem Kleidungssektor bald kein Thema mehr; Acetat- und Kunstseidenstoffe verlangten nach sanfter, schonender Wäsche mit milden Waschmitteln, die ihre Waschkraft schon bei niedrigen Temperaturen entfalteten. Ebenso niedrig musste auch die Bügeltemperatur sein, um die empfindlichen Hemden, Blusen und Unterröcke aus nicht zu versengen. Bei den alten Bolzen-, Flach-, Kohle- oder Gasbügeleisen hatte sich die Hitze des Eisens nur unzureichend regulieren lassen – Brandflecken und versengte Kleidungsstücke waren die Folge. Die elektrisch betriebenen Eisen mit Temperaturregler hatten den Vorteil, dass sich die Hitze nun wesentlich besser dosieren ließ. Trotzdem ging der Verfasser eines Beitrags, der 1897 in der Zeitschrift „Wiener Mode“ erschien, wohl etwas zu weit, als er zum Thema Elektrizität folgendes behauptete: „In Amerika, dem Land der praktischen Köpfe, sind elektrische Bügeleisen in großen Fabriken und Wäschereien in Gebrauch. Ein Kopfschmerzen verursachender Kohlendunst und ein Verbrennen der Wäsche aus Unachtsamkeit ist ausgeschlossen.“

Als bislang letzte Stufe in der Entwicklung der Bügelgeräte ist die Entwicklung des elektrischen Dampfbügeleisens zu nennen – ein Prozess, der vergleichsweise viel Zeit in Anspruch nahm. Bis es nämlich gelang, ein gut funktionierendes, allen Anforderungen genügendes Eisen zu konstruieren sollte mehr als ein Vierteljahrhundert ins Land gehen.

Am 27. Juni 1882 wurde in Deutschland erstmals ein Bügeleisen patentiert, das mit Dampf von einem externen Dampferzeuger beheizt wurde. Dieses Gerät war jedoch kein Dampfbügeleisen im eigentlichen Sinne, denn der Dampf blieb im geschlossenen System und konnte nicht auf die gebügelte Wäsche gelangen. Einige Jahre später – genauer gesagt am 11. November 1899 – ließ sich Franz Bainka in Zyrowa, Oberschlesien, ein selbst erfundenes Bügeleisen patentieren, das zwar ebenfalls von einem Dampfentwickler beheizt wurde, bei dem der Dampf jedoch erstmals durch Löcher in der Bügeleisensohle auf den Stoff gesprüht wurde. Auch bei diesem Gerät wurde der Dampf nicht vom Bügeleisen selbst, sondern von einem zusätzlichen Apparat erzeugt. Das erste ‚richtige‘ Dampfbügeleisen, bei dem der Dampf im Gerät selbst hervorgerufen und durch Löcher in der Sohle direkt auf den Stoff gelangte, wurde in Deutschland am 18.05.1909 zum Patent angemeldet. Als Erfinder werden in der Patentschrift zwei Personen, nämlich Johann Georg Müller und Hans Elsässer in Augsburg angegeben.

Ebenso wie die Entwicklung des Thermostats schritt auch die technische Verbesserung des Dampfbügeleisens in den folgenden Jahren zügig voran. Bis heute unterscheidet man dabei zwischen zwei Arten von Dampfbügeleisen. Zum einen gibt es Geräte, die den Dampf selbst erzeugen. Um Kalkablagerungen und die Verstopfung der Löcher in der Bügelsohle zu vermeiden, werden sie vorzugsweise mit destilliertem Wasser befüllt. Anders sieht es in industriellen Betrieben aus; dort, wo Bügeleisen ununterbrochen in Betrieb sind, wird ihnen der Dampf über eigene Dampfgeneratoren per Schlauch zugeleitet.

Der Einsatz vom Dampf beim Bügeln brachte insbesondere den Vorteil, dass das Gewicht der Bügeleisen – Schneidereisen brachten es nicht selten auf 12 Kilogramm – erheblich reduziert wurde. Auch konnte nun beim Dämpfen schwerer Wollstoffe auf die umständliche Prozedur mit einem angefeuchteten Bügeltuch verzichtet werden. Zudem brachte der heiße Dampf hygienische Vorteile, da er Bakterien und eventuell vorhandenen Motteneiern den Garaus machte. Seit dem Einzug vollsynthetischer Fasern wie Polyamid und Polyester ist die Verwendung von Dampfbügeleisen in der Textilindustrie unerlässlich geworden, da sich Voll-, Halbsynthetics und Wollmischgewebe ohne den Einsatz von Dampf nicht mehr vollwertig bearbeitet werden können.

Wie wir bereits ausführlich beschreiben wurde, brachte das elektrische Bügeln auch im Privathaushalt eine ganze Reihe von Vorzügen mit sich: Lästige Dämpfe, Flugasche und Ruß entfielen und dank Temperaturregelung konnte die Wäsche nicht mehr so leicht versengt werden. Alle diese Argumente machte sich vor allem die Elektroindustrie zu nutze, die für die Geräte eifrig die Trommel rührte. In einem Werbeblatt der AEG aus dem Jahre 1909 wurde zum Beispiel behauptet, dass das Bügeln aufgrund folgender Vorzüge zur Lieblingsbeschäftigung der Hausfrauen geworden sei: „Weil das Hin- und Herlaufen bei der Arbeit erspart wird... weil es kein Verschmutzen der Wäsche mehr gibt... weil jede überflüssige Hitze vermieden wird... weil keine Luftverschlechterung möglich ist...“ und nicht zuletzt „weil die Wäsche ein wunderbares Aussehen erhält.“

Dennoch waren die herkömmlichen Bügeleisenformen nicht einfach passé, als die ersten Elektroeisen auf den Markt kamen; vielmehr dauerte es noch eine ganze Weile, bis sich die Bügelgewohnheiten unwiderruflich veränderten. Anfangs waren die Reaktionen der Hausfrauen nämlich eher verhalten. Das lag zum Teil daran, dass die Versorgung der privaten Haushalte mit Strom nur langsam vonstatten ging. Auch wer bereits einen Stromanschluss für die Beleuchtung hatte, schreckte häufig vor der Nutzung anderer Elektrogeräte zurück, weil der Strom bis zum Ende des Ersten Weltkriegs ziemlich teuer war. Die Elektrizitätswirtschaft musste daher ständig gegen das Argument ankämpfen, dass elektrischer Strom ein Luxusartikel sei. Außerdem war im überwiegenden Teil der Haushalte ein Kohle- oder Gasherd vorhanden, der zum Kochen, Heizen und zur Bereitung von Heißwasser ohnehin ständig in Betrieb gehalten wurde. Auf diesem Ofen konnten Flach- Bolzen oder Satzeisen jederzeit erwärmt werden, ohne dass zusätzliche Kosten entstanden.

Um den Absatz ihres Stroms zu sichern, waren die Vertreter der Elektroindustrie natürlich daran interessiert, ihre Kundinnen und Kunden zum Kauf möglichst vieler elektrisch betriebener Haushaltsgeräte zu motivieren. Deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass sie dem ‚multifunktionalen‘ Küchenherd sehr bald den Kampf ansagten: Nachdem elektrischer Strom zu Beleuchtungszwecken allmählich flächendeckend Akzeptanz gefunden hatte, rückte seit etwa 1925 die Elektowärme mehr und mehr in den Blickpunkt der Aufmerksamkeit. Das Thema wurde auf Tagungen und Versammlungen präsentiert und auf Ausstellungen zur Schau gestellt. Im Vordergrund stand dabei zunächst die Frage des elektrischen Kochens. Hierbei waren sich die Stromerzeuger zunächst nicht so recht einig. Die Vertreter einiger Elektrizitätswerke reagierten zunächst skeptisch, da sie befürchteten, dass das elektrische Kochen den Stromverbrauch in Spitzenzeiten zu stark ansteigen lassen würde. Die Befürworter der Elektrowärme hingegen versuchten zu beweisen, dass diese Belastung durch geschickte Maßnahmen ausgeglichen werden konnte. Nicht zuletzt auf Grund dieser Streitfrage machte die Elektroindustrie erstmals den Versuch, im Voraus zu berechnen, wie sich die Einführung bestimmter Geräte im Haushalt auf Stromverbrauch und -erzeugung auswirken würde. Eine abschließende Studie führte zu folgendem Ergebnis: „Der Anschluss elektrischer Herde ist ein gutes Geschäft für die Elektrizitätswerke, wenn sie durch geeignete Tarife Herdanschlüsse ermöglichen. Die Einnahmen liegen höher als bei irgendeinem anderen Stromverbraucher einschließlich Beleuchtung.“ Neben den Elektroherden wurden gegen Ende der 20er Jahre die ersten elektrisch betriebenen Heißwasserspeicher versuchsweise eingeführt. Sie waren gegen eine moderate Gebühr zu mieten, wobei der Strom zu einem günstigen Nachtstrom-Speichertarif abgegeben wurde. Auf diese Art und Weise konnten bald zwei Funktionen, für die bis dahin der Kohle- oder Gasherd benutzt worden war, durch elektrisch betrieben Apparate ersetzt werden.

Trotzdem benutzte die Mehrheit der Hausfrauen in den 20er und 30er Jahren nach wie vor den Kohleherd zum Kochen oder Backen. Einige besaßen zusätzlich einen Gas- oder Elektrokocher. Um ‚richtig‘ zu Kochen wurde im Winter wie Sommer der Kohleherd geschürt – was im Sommer ein unerträgliche Hitze in der Küche verursachte. Wollte man hingen nur kleinere Speisen oder Flüssigkeiten erwärmen, kam der Kocher zum Einsatz.

Neugierige und Skeptiker konnten sich am praktischen Beispiel von der Nützlichkeit elektrischer Geräte überzeugen. Seit 1930 gab es nämlich in Berlin-Siemensstadt die erste vollelektrifizierte Siedlung mit 500 Wohnungen. Sie diente nicht nur der Stromindustrie zu Studienzwecken sondern auch als Anschauungsobjekt für die Öffentlichkeit. Gemeinsam mit der Firma Siemens richtete die BEWAG dort eine öffentliche Lehrküche ein, in der sich Hausfrauen, für die elektrische Geräte etwas völlig Neues waren, umfassend informieren konnten. Zu diesem Zweck suchte der „Siedlungshaushaltsdienst“ Frauen auf und lud sie zu Vorführungen ein – gewissermaßen ein Vorläufer der späteren Tupper-Parties. Mit Erfolg, denn auf lange Sicht jedoch war der Siegeszug des Elektroherdes nicht aufzuhalten. Das Verschwinden des herkömmlichen Küchenofens brachte allerdings nicht nur Vorteile, sondern bewirkte auch, dass seine Nutzungsmöglichkeiten als Wärmequelle für andere Geräte entfielen. Fortan mussten auch Heißwasserbereiter, Bügeleisen und Lockenschere auf Elektrobetrieb umgestellt werden.

Auch wenn das elektrische Bügeleisen schon in der frühen Werbung als „Bügelautomat“ bezeichnet wurde, konnte von automatischen Arbeitsabläufen keine Rede sein. Zwar musste das Eisen weder auf den Ofen gestellt noch mit Kohle gefüllt werden, und die Temperatur blieb – dank verbesserter Reglerautomatik – weitgehend konstant. Dennoch war das Bügeln selbst nach wie vor mit Mühsal verbunden. Das lag hauptsächlich daran, dass es bis weit in die 1960er Jahre üblich war, Kleidung und Bettwäsche nach dem Waschen zu stärken. Eine gewisse ‚Steifheit‘ im Outfit gehörte lange Zeit unabdingbar zu einer gepflegten Erscheinung. In einem Ratgeber von 1959 mit dem schönen Titel „Anstand, Benehmen und Charme“ findet sich für die Herren der Schöpfung folgender Hinweis: „Das Angezogensein von innen heraus fängt mit dem Hemd an. Das Gefühl, in einem schneeweißen, tadellos gebügelten Hemd, das noch in den Nähten „knackt“, zu stecken, gibt einem namentlich an wichtigen Tagen jenes Gefühl, das zu besonderen Leistungen anregt.“ Weiter heißt es dort: „Machen Sie also den Versuch (...) und tragen Sie jeden Tag ein frisches Hemd. Ihre Frau wird bei Ihnen plötzlich eine ungewohnt gute Laune feststellen. Sie wird zwar erstaunt zusehen, wie Sie im weißen Hemd pfeifend aus dem Lift kommen – nun, dann haben Sie den seltenen Genuss, Ihre Gattin einmal sprachlos zu sehen“. Ob die Gattin allerdings vor Begeisterung sprachlos war, oder vielmehr wegen der Aussicht, künftig für jeden Tag ein neues Hemd Waschen, Stärken und Bügeln zu müssen – darüber verrät der Ratgeber nichts.

Wie schwierig und aufwändig das Stärken der Wäsche war, lässt sich an der Anleitung in einem Haushaltsratgeber erkennen. Dort heißt es unter anderem: „Zum Gelingen schöner Stärkewäsche gehört nicht nur die richtige Stärkezusammensetzung und Übung, sondern auch das vorherige richtige Reinigen der Wäsche (...) Bleiben nämlich Reste der alten Stärke zurück, so wird die Wäsche beim Bügeln streifig, blasig und ungleichmäßig steif.“ Auch einwandfrei gestärkte Wäsche verlangte beim anschließenden Bügeln besondere Sorgfalt. In ihrem um 1930 erschienenen – und bis weit in die 50er Jahre aufgelegten – Ratgeber „Der neuzeitliche Haushalt“ gab Erna Horn ihren Leserinnen und Lesern eine ausführlich bebilderten Schritt-für-Schritt-Anweisung mit dem Titel „Wir bügeln ein Stärkehemd“. Sehr wichtig, betonte die Autorin, sei auch die Wahl des richtigen Bügeleisens. "Die moderne Hausfrau verwendet selbstverständlich ein elektrisches Bügeleisen“. Letzteres sollte so glatt und so heiß sein, dass es nicht mehr an der Stärke kleben blieb und auf der Wäsche keine gelben Streifen entstanden. War dies Malheur trotzdem passiert, konnte die Hausfrau das verklebte Eisen über ein sogenanntes „Glätthülfekissen“ streichen. Dieses Kissen besaß eine wachsartige Füllung die das Eisen reinigte und die Wäsche vor den braunen Klebeflecken bewahrte: „Die ‚Glätthülfe‘ liegt in einer Schachtel und wird nach Gebrauch wieder verschlossen, damit sie immer sauber ist.“

Die meisten Hausfrauen bevorzugten es – auch wenn der Herd nun entbehrlich war – auf dem Küchentisch zu bügeln. Da es bis in die 50er Jahre in den Haushalten nur wenige Steckdosen gab, wurden dazu häufig Lampensteckdosen benutzt: Die Glühlampe über dem Tisch erhielt dazu eine Fassung mit Steckkontakt, so dass das Plätteisen dort angeschlossen werden konnte. Die Haushaltsratgeberin Erna Horn wurde jedoch nicht müde, ihren Lesern und Leserinnen die Nachteile dieser Methode vor Augen zu halten. „Einerseits“, schrieb sie „ist ein normaler Tisch zu hoch (...) und andererseits leidet der Anstrich oder Linoleumbelag des Tisches durch die Hitze des Bügeleisens.“ Aus diesem Grunde empfahl sie eine „beachtliche Neuerung“: das zusammenklappbare Bügelbrett. Bis dahin hatte – wie gesagt – hauptsächlich ein gewöhnlicher Tisch oder ein über zwei Böcke gelegtes Brett zum Bügeln herhalten müssen. Nun gab es immer mehr Erfindungen und Verbesserungen, wie zum Beispiel den Patentbügeltisch der bayerischen Firma Reinhard & Steidle, über den 1926 in einer Werbeanzeige gedichtet wurde: „‘Ach, wie tut das Kreuz so weh, wenn am Bügeltisch ich steh‘. Stundenlang – und dann zum Schluss, krieg ich einen Senkefuß.’ Also sprach Frau Emsig trübe, doch Frau Klug sagt: ‚Meine Liebe! Was hilft alles Jammern, Klügeln? Tun sie doch im Sitzen bügeln!‘“ Arbeitserleichterung am Küchentisch und auf Reisen versprach das aufwickelbare „Roll-Plättbrett HARRAS“ das „insbesondere für die kleine Wäsche das Ungetüm von Plättbrett“ erübrigen sollte.

 

Glücklicherweise ist heute die Zeit der gestärkten „steifen“ Hemden und Blusen vorbei. Spätestens seit Ende der 70er Jahre ist die Kleidung legerer geworden, und ein gewisse lässiger ‚Knitter-Look‘ ist nicht selten ausdrücklich erwünscht.

Wer dennoch auf glatte Hemden, Blusen und Bettlaken Wert legt, kann nicht nur auf hochtechnisierte Bügeleisen und -bretter zurückgreifen, sondern sich die sich die Arbeit schon im Vorfeld erleichtern: Neuartige Weichspüler mit besonderen Inhaltsstoffen gehen – so behauptet es zumindest die Werbung – schon in der Waschmaschine „mit Volldampf durch die Bügelwäsche“ und glätten die Fasern, so dass das anschließende Bügeln zum Kinderspiel wird.

Eines nämlich hat auch die Entwicklung des ehemals kiloschweren Blockeisens zum Präzisionsinstrument mit „Konstant-Dampf“, „Self Clean Funktion“ oder extrem kratzfester „Laser Inox Sohle“ nicht ändern können: Das Bügeln gehört nach wie vor zu den unbeliebtesten aller Hausarbeiten.

Ungeachtet dessen ist das Sammeln historischer Bügelgeräte sehr beliebt und wer sich für alte Plätteisen interessiert, findet sich bald in bester Gesellschaft. Gerade im Bereich der Elektroeisen bietet sich für Neueinsteiger ein breites Feld mit interessanten Entdeckungen, da es seit Ende des 19. Jahrhunderts eine Unzahl verschiedener Erfindungen und Patente gab.

 

 

 

Literatur:

Marianne Strobel: Alte Bügelgeräte. München 1987 (2. Auflage). Dieses (momentan leider vergriffene) Buch bietet einen umfassenden Überblick über die Formen- und Kulturgeschichte des Bügeleisens.

Mein besonderer Dank gilt Herrn Kurt Pfeifer aus Schifferstadt, der für diesen Beitrag nicht nur Fotos seiner Sammlung und Literatur und zur Verfügung gestellt hat, sondern auch für alle Rückfragen ein offenes Ohr hatte. Ein Besuch seiner Hompage: www.buegeleisen.de ist allen Interessierten wärmstens zu empfehlen!